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10. Oktober 2011
WM-Team besucht Singapur

Nach einer intensiven Trainingswoche im Holiday Inn in Melaka (Malaysia), durfte sich die österreichische Auswahl für die WM der Kadetten, Junioren und U 21 über einen trainingsfreien Sonntag freuen, der für einen Besuch des etwa 3 Autostunden entfernten Stadtstaates Singapur genutzt wurde.

Der Vielvölkerstaat, in dem auf kleinstem Raum die verschiedensten Ethnien ohne Probleme zusammenleben, kann mit zahlreichen Superlativen aufwarten. Er liegt mit einer Bevölkerungsdichte von fast 7000 Einwohnern pro Quadratkilometer (Österreich: 99) an der dritten Stelle weltweit, das (kaufkraftbereinigte) BIP pro Kopf der Bevölkerung, das gemeinhin als Indikator für den Wohlstand eines Landes angesehen wird, betrug 2009 über 51.000 Dollar (Österreich: rund 39.000 Dollar), was Platz 4 im weltweiten Ranking bedeutet. Wenngleich diese statistischen Kenndaten mit gewisser Vorsicht zu bewerten sind, ist der Reichtum des Landes jedem Besucher sofort augenfällig: Eine spektakuläre Architektur, die keinen Vergleich mit den Top-Metropolen der Welt zu scheuen braucht, die berühmte Orchard Road, wo ein Einkaufstempel sich an den anderen reiht und wo wahrlich geklotzt und nicht gekleckert wird, das Straßenbild geprägt von Luxuskarossen und gepflegten Grünanlagen. Und als Kontrast dazu Chinatown, inmitten der Stahl-, Beton- und Glasarchitektur, wo in engen Gassen sich kleinste Läden und Restaurants aneinander drängen. Weltweit ein Unikat dürfte es auch sein, daß sich mitten in Chinatown ein hinduistischer Tempel befindet, ein weiterer Beweis für das friedliche Nebeneinander der verschiedensten Ethnien und Religionen. Da verwundert es dann fast nicht mehr, daß sich in Chinatown auch der - nach Eigendefinition - „letzte Würstelstand vor dem Äquator“ befindet, der von einem Niederösterreicher betrieben wird. Ein Stadtstaat der Gegensätze also, die sich auch im Rechtssystem widerspiegeln. Die Liberalität in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht wird kontrastiert durch ein martialisches Strafrecht, das Prügelstrafen mit dem Rohrstock (allerdings nur für Männer zwischen 16 und 50) ebenso vorsieht wie die Todesstrafe durch den Strang, die auch sehr häufig verhängt wird. Hier kann Singapur mit einem weiteren, allerdings wenig ruhmreichen Superlativ aufwarten: Es ist jenes Land, in dem – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Auch im politischen System des Landes finden sich krasse Gegensätze zum Wirtschaftsliberalismus und der religiösen Toleranz der Gesellschaft. So gibt es eine staatliche Zensur der Medien und eine jahrzehntelange Dominanz einer einzigen Partei. Auch als Tourist ist man mit – teilweise durchaus skurrilen – Beschränkungen konfrontiert und wird bei der Einreise genauestens kontrolliert.

Der lange und erlebnisreiche Sonntag, der um 5.30 Uhr am Morgen begonnen hatte, ging kurz nach 23.00 Uhr mit der Rückkehr ins Hotel in Melaka zu Ende. Am heutigen Montag begann die Wettkampfwoche mit einer intensiven Trainingseinheit um 8.00 Uhr.
 

 
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